Arno Schmidt in Bargfeld

And into Schmidt again as well, as I received a little booklet as a present: Arno Schmidt in Bargfeld, from the series “Menschen und Orte” (“People and Places): http://www.atelierfischer-berlin.de/menschenorte/menschenorte_re.html. A nice little book, that brings the Schmidt-fan nothing new, nothing but an opportunity to read again an account of his life, and his work (“Arbeit, Arbeit, Arbeit”). The photographs also are well-known, but because I do not own any books on Schmidt except for the Rowolth-biography, they are very welcome. I’m always fascinated by photographs of writers desks…. I enjoyed it so much (the nearness of Schmidt’s world) that this morning I quickly picked a Schmidt-book from my shelves to read on the train to work. I re-read the ‘short story’ Schwanze and am beginning to also see the humour of the later work of ‘der Arno’ leading up to Zettel’s Traum. I left the newspapers unread today.

de,en,reading matter,writing | June 25, 2007 | 21:04 | comments (0) |

The importance of all these small initiatives…

… the Arno Schmidt-reference library (see http://www.gasl.org) is an online collection of pdf’s of books that Arno Schmidt owned and to which he often referred in his novels. Shakespeare, Jules Verne, Tobias Smollett, Herodotos. Nice for the fans of Schmidt and the literature-professors.

But in the 3 years of its existence it has already send 400.000 texts into the world. Interestingly, from december 2006 on the downloads increased dramatically because China allowed province after province access to the reference library.

Says Günter Jürgensmeier of GASL, in an e-mail to the Schmidt-discussion list:

“Die Referenzbibliothek hat damit im zurückliegenden Jahr vermutlich erheblich mehr für die Bildung getan als die Bayrische Staatsregierung. “Jaja”, rufen da die Herren Goppel/Schneider unisono, “für die Bildung der Chinesen!” Naja, immerhin!)”

Everything is Beta

‘Ein neuer Service im Netz war früher an der Idee der Software orientiert, eine halbwegs stabile Versionsnummer rauszubringen. Heutzutage ist alles, gerne auch beliebig lange, Beta.’

Sacha Kosch, WEB 2.0 Einleitung, in Debug 98, http://www.de-bug.de/texte/4137.html.

(I’m reading through 2 years of DeBug issues).

PS, the catchword is of course ‘perpetual beta’. Knew that, but some things one forgets when reading a different language.

de,en,quotations,research | June 1, 2006 | 19:44 | Comments (2) |

Flusser: Die Schrift II

‘Gott hat, dem Mythos zufolge, Sein Ebenbild zerrissen (…), und er hat dadurch uns geschrieben. So, als Seine Inschriften, hat Er uns in die Welt geschickt, uns aus dem Paradies in die Welt vertrieben, uns gebrannt und gehärtet — damit wir die Welt (und uns selbst), beschreiben, erklären, begreifen und beherrschen mögen. So wurden wir erschaffen, zu diesem Zweck sind wir geschrieben worden, dazu sind wir ausgeschickt worden, das ist unser Schicksal. Das arabische Wort “maqtub” bedeutet zugleich “Schicksal” und “Inschrift”. Was werden wir aufgeben, wenn wir die Schriftcodes durch andere, leistungsfähigere ersetzen?’ p. 18/19

‘Es besteht ein komplexes Feedback zwischen der Technik und dem sie verwendenden Menschen. Ein sich änderndes Bewußtsein ruft nach veränderter Technik, und eine veränderte Technik verändert das Bewußtsein.’ p. 20

‘Der Stilus ist strukturell einfacher als und funktionell komplizierter als der Pinsel. Das ist ein Merkmal des Fortschritts: Alles wird strukturell komplexer, um funktionell einfacher zu werden.’ p. 20

‘Für das Zusehen, für die Beschaulichkeit sind Schriften nicht die geeigneten Codes. Bilder sind dafür besser geeignet. Wir sind eben daran, das Aufschreiben (das Schreiben überhaupt) den Apparaten zu überlassen und uns auf Bildermachen und Bilderbetrachten zu konzentrieren. Wir sind eben daran, ins “Universum der technischen Bilder” zu übersiedeln, um uns von dort aus auf die von Apparaten automatisch geschriebene Geschichte hinunterzuschauen.’ p. 24

‘Das Schreiben ist nicht ohne weiteres überwindbar. Erstens weil sich die Bilder, die wir kontemplieren, von der Geschichte (die Apparate) nähren. Zweitens weil diese Bilder die Geschichte (die Apparate) programmieren. Und drittens, weil die Apparate nicht so schreiben, wie wir geschrieben haben” Sie benutzen andere Codes. Die von Apparaten geschriebene (und gemachte) Geschichte ist eine andere Geschichte. Sie ist keine Geschichte mehr im buchstäblichen Sinn des Wortes.’ p. 24

‘Also kodifizieren Buchstaben auditive Wahrnehmungen, während Zahlen optische Wahrnehmungen kodifizieren. Buchstaben gehören ins Gebiet der Musik, Zahlen in jenes der darstellenden Künste.’ p. 27

‘Ideogramme sind Zeichen für “Ideen”, für mit dem inneren Auge ersehene Bilder. Das festhalten von Bildern aber soll beim Schreiben gerade vermieden werden. Schreiben soll Bilder erklären, wegerklären. Das bildliche, vorstellende, imaginäre Denken soll einem Begrifflichen, diskursiven, kritischen weichen. Man schreibt alphabetisch und nicht ideografisch, um ikonoklastisch denken zu können.’ p. 34

‘Das Alphabet schreibt die gesprochene Sprache nicht nieder, es schreibt sie auf. Es erhebt die Sprache und nimmt sie in seinen Griff, um sie nach seinen Regeln zu ordnen. Auf diese Weise regelt und ordnet das Alphabet auch das von der Sprache Gemeinte: das Denken.’ p. 36

‘Der Versuch, dem hinter der Erfindung des Alphabets verborgenen Motiv nachzuspüren, hat scheinbar zwei verschiedene Antworten erhalten. Die eine besagt, die Absicht der Erfinder sei ikonoklastisch gewesen: Nicht Bilder (auch nicht Ideogramme), sondern Laute seien beim Schreiben zu bezeichnen, damit sich das Bewußtsein vom bildgebundenen magischen Denken befreie. Die andere Antwort besagt, die Absicht der Erfinder des Alphabets sei das Aufstellen eines linearen Diskurs gewesen: Beim Schreiben sollen Laute bezeichnet werden, damit ein folgerichtiges Sprechen statt dem mythischen, kreisenden Raunen in die Wege geleitet werde. Betrachtet man jedoch diese beiden Antworten näher, dann stellt man fest, daß beide dasselbe aussagen.’ p. 38

‘Texte sind Halbfabrikate. Ihre Zeilen eilen einem Schlußpunkt zu, aber über diesen hinaus einem Leser entgegen, von dem sie hoffen, daß er sie vollende. (…) (A)llen Texte (ist) gemein, daß sie ausgestreckte Arme sind, die hoffnungsvoll oder verzweifelt versuchen von einem anderen aufgegriffen zu werden. Das ist die Stimmung des Geste des Schreibens.’ p. 41/42

‘An wen aber schreiben diese Leute [de programmeerders]? (…) sie schreiben vielmehr an und für Apparate.’ p. 56

‘Es [= die Denkart des Programmierens] ist eine profane, wertfreie Denkart. Sie ist nicht mehr mit historischen, politischen, ethischen Kategorien zu fassen. Andere, kybernetische, komputierende, funktionelle Kategorien sind auf sie anzuwenden. Deshalb ist das Programmieren nicht eigentlich ein Schreiben zu nennen. Es ist eine Geste, in welcher eine andere Denkart zum Ausdruck kommt als beim Schreiben.’ p. 59

‘Alle Vorschriften werden programmierbar, aber es werden doch nicht nur Vorschriften geschrieben. Die Literatur besteht doch nicht nur aus lauter Geboten, Gesetzen und Gebrauchsanweisungen. Und diese andere Fäden im Gewebe der Literatur sind doch wohl nicht programmierbar. (…) Auch dieser (reaktionäre) Einwand erweist sich als Irrtum. (…) Wir verfügen gegenwärtig über Methoden, mit denen wir Erkenntnis- und Erlebnismodelle auf Verhaltensmodelle reduzieren können, indem wir alle Propositionen auf “Wenn/Dann”-Propositionen zurückführen. Der Propositionskalkül gestattet, alle wie immer geartete Aussagen in Funktionen zu übersetzen. All Literatur wird programmierbar.’ p. 61

‘Der alphabetische Dichter manipuliert Worte und Sprachregeln mittels Buchstaben, um daraus ein Erlebnismodell für andere herzustellen. Dabei ist er der Meinung, ein eigenes konkretes Erlebnis (Gefühl, Gedanken, Wunsch) in die Sprache hineingezwungen und damit das Erlebnis und die durch das Erlebnis veränderte Sprache für andere zugänglich gemacht zu haben. Der neue mit Apparate versehene und sie digital speisende Dichter kann nicht so naiv sein. Der weiß daß er sein Erlebnis zu kalkulieren hat, in Erlebnisatome zu zerlegen, um es digital programmieren zu können. Und bei dieser Kalkulation muß er feststellen, wie sehr sein Erlebnis bereits von anderen vormodelliert war. Er erkennt sich nicht mehr als “Autor”, sonders als Permutator. Auch die Sprache die er manipuliert, erscheint ihm nicht mehr als ein sich in seinem Inneren anhäufendes Rohmaterial, sondern als ein komplexes System, das zu ihm dringt, um durch ihn permutiert zu werden. Sein Einstellung zum Gedicht ist nicht mehr die des inspirierten und intuitiven Dichters, sondern die des Informators. Er stützt sich auf Theorien und dichtet nicht mehr empirisch.’ p. 73/74

‘Man schreibt aus zwei Grundmotiven: aus einem privaten Motiv (seine Gedanken ordnen) und einem politischen (andere informieren). Gegenwärtig ist man aufgeklärt genug um sich über diese Motive Rechenschaft ablegen zu können. Das Ordnen der Gedanken ist ein mechanischer Vorgang (…) und kann künstlichen Intelligenzen überlassen werden. Die Leser an die man schreibt, sind Kommentatoren (die das Geschriebene zerreden) oder Befolger (die sich wie Objekten ihm unterwerfen) oder Kritiker (die ihn zerfetzen) (…). p. 89

‘Ein neues Bewußtsein ist im Enstehen. Es hat um sich auszudrücken und sich mitzuteilen, nicht alphanumerische Codes entwickelt, und es hat die Geste des Schreibens als ein Absurder Akt durchblickt, von dem es sich zu befreien gilt.’ p. 91

‘Aber wir sind eben Bücherwürmer, und wir fressen wovon wir aufgefressen werden. Wir leben von Büchern für Bücher.’ p. 92

‘Jeder Text aber kann als Brief gelesen werden, nämlich nicht kritisch, sondern mit dem Versuch, den Absender anzuerkennen.’ p. 103

‘Das angebotene Zeug [= schrijfwaren] ist großartiger als die zu schreibenden Notizen denen es vorgeblich dient: wieviel mehr Intelligenz steckt in solchem Zeug als in dem dank ihm erzeugten Geschreibsel. Die Mittel sind derart gescheit geworden, daß sich bei ihnen aller Zweck erübrigt. Sie werden Selbstzweck. Selbstzweckwerden aller Mittel und Ãœberflüssigkeit aller Zwecke meint “Medienkultur”.’ p. 127

‘Aber die Stakkato-Struktur dieser Schreibart [van scripts, voor het programmeren] (..) auch sie ist nur ein Vorwand: ein Zugeständnis an die neuen, digitalen Codes. Das Ideal der Geste des Schreibens ist der Legato, jenes Binden von distinkten Elemente zu Zeilen. Von Skripten wird dieses Ideal als unerreichbar aufgegeben.’ p. 132

‘Wer Skripte schreibt, hat sich der Bildkultur mit Haut und Haar übergeben. Und die ist, vom Standpunkt der Schriftkultur, der Teufel.’ p. 133

‘Mindestens zwei Dinge sind für dieses Umlernen des Denkens charakteristisch. Erstens daß wir nur Bilder und nichts als Bilder denken, denn alles was wir Wahrnehmungen nennen (…) sind nichts als im Gehirn komputierte Bilder. Zweitens, daß Denken kein kontinuierlicher, diskursiver Vorgang ist: Das Denken “quantelt”.’ p. 139

‘Wir werden die neuen Codes im Gedächtnis nicht über dem Alphabet lagern können, weil diese Codes das Alphabet nicht dulden können. Sie können dem Alphabet gegenüber unduldsam imperialistisch. Sie können nicht dulden, daß hinter ihrem Rücken ein Denken weiterläuft, das darauf aus ist Bilder zu kritisieren.’ p. 142

‘Die alte Kritik, diese Auseinanderbrechen von Solidem, würde sich in gähnenden Intervallen, im Nichts verlieren. (…) Eine ganz andere kritische Methode ist hier vonnötten, und zwar jene die mit dem Begriff “Systemanalyse” nur annäherend benannt wird.’ p. 143

‘Wir sind demnach den neuen Bilder nicht unkritisch ausgeliefert, im Gegenteil: Wir werden Methoden ausarbeiten, um sie zu analysieren und re-synthetisieren zu können.’ p. 143

‘Wir werden lernen müssen, digital zu schreiben, falls eine derartige Notiermethode überhaupt noch ein Schreiben zu nennen ist.’ p. 143

‘Der künftige “Leser” sitzt vor dem Schirm, um die gelagerten Informationen abzurufen. Es geht nicht mehr um ein passives Auflesen (Aufklauben) von Informationsbrocken entlang einer vorgeschriebene Zeile. Es geht vielmehr um ein aktives Knüpfen von Querverbindungen zwischen den verfügbaren Informationselementen. Es ist der “Leser” selbst, den aus den gelagerten Informationselementen die von ihm beabsichtigte überhaupt erst herstellt.’ p. 146

‘Das Geschichtsbewußtsein — dieses Bewußtsein, in einen dramatischen und unwiderruflichen Zeitstrom getaucht zu sein — ist im künftigen “Leser” ausgelöscht. Er steht darüber, um seine eigene Zeitströme zu knüpfen. Er liest nicht eine Zeile entlang, sondern er spinnt seine eigene Netze.’ p. 147

‘Gegenwärtig überflutet das klare Licht des kritische Denkens die ganze Gegend von allen Seiten. Auch der einzelne Mensch ist bis in sein Innerstes von diesen kalten Röntgenstrahlen durchleuchtet. Dies bedeutet, daß nichts mehr übrig geblieben ist, das noch aufgeklärt werden könnte. Die Strahlen des kritischen Denkens finden nichts mehr, wogegen sie sich brechen könnten. Sie laufen ins Leere. Damit hat das alphabetische Schreiben (und Denken) sein ursprüngliches Ziel erreicht (und übertroffen). Man müßte um weiter denken zu können, zu neuen Codes greifen.’ p. 151/152

Vilém Flusser, Die Schrift, hat Schreiben Zukunft?, Edition Flusser, European Photography, 2002, (1987).

de,quotations,research,ubiscribe,writing | April 24, 2006 | 12:01 | comments (0) |

Vilém Flusser, ‘Abbild — Vorbild’

‘(…) (D)amals (am Ursprung der Zivilisation) betrachtete man diese ersten Intellektuellen als Propheten: leute die die künftige Wässerzufuhr voraussehen könnten.’ p. 302

‘Alles darstellen, das der entwerfenden Einstellung folgt, beruht auf theoretischem Schauen.’ p. 302

‘Nicht meht als Subjekt von Objekten, sondern als Projekt für Objekte beginnt der Mensch sich zu verstehen. Er stellt die Welt in erster Linie nicht meht als ihm gegeben dar, sondern eher als von ihm entworfen, und sich selbst nicht mehr als dem Gegebenen unterworfen, sondern sich entwerfend.’ p. 307

Vilém Flusser, ‘Abbild — Vorbild’, in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,ubiscribe | April 21, 2006 | 15:43 | comments (0) |

Vilém Flusser, ‘Digitaler Schein’

‘Man hat, kurz gesagt, damals entdeckt, daß man die Welt weder einfach anzusehen, noch sie zu beschreiben hat, sondern daß man sie kalkulieren muß, wenn es darum geht, sie in den Griff zu bekommen, sie zu begreifen. Die Welt ist zwar unvorstellbar und unbeschreiblich, dafür aber kalkulierbar.’ p. 273

Vilém Flusser, ‘Digitaler Schein’, in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,software,ubiscribe | April 21, 2006 | 15:42 | comments (0) |

Vilém Flusser, ‘Kunst und Computer’

‘Nicht werd Objekte besitzt (Rohmaterial, Industriekomplexe, Waffen), sondern wer Programme ausarbeitet und verbreitet, beherrscht die Gesellschaft (“Informationsimperialismus”).

‘Hoffnungsvoll and der Computerkunst ist nicht der Umstand, daß dabei etwas Schönes herauskommt — oder wie immer wir den Begriff “Kunst” fassen mögen –, sondern daß dabei Apparate tatsächlich von individuellen Menschen für ihre indivduellen Zwecke programmiert werden. Diese Menschen zwingen den Apparat, etwas zu tun (..) was nicht im Programm steht. Sie zwingen ihn, etwas von sinenen Herstellern nicht Vorgesehenes, etwas Unerwartenes zu machen. Unvorgesehene, unerwartenen Situationen heißen “Informationen.”.’ p. 261

Vilém Flusser, ‘Kunst und Computer’ in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,software | April 21, 2006 | 15:41 | comments (0) |

Vilém Flusser, ‘Komputieren

‘”(K)omputieren” (ist) ein Versuch (…) zerschmetterte Dinge laut Programm umzuformen.’

Vilém Flusser, ‘Komputieren’, in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,software,ubiscribe | April 21, 2006 | 15:39 | comments (0) |

Vilém Flusser, ‘Das Politische im Zeitalter der technischen Bilder’

‘Texte sind Informationen, die privat ausgearbeitet und dann veröffentlicht werden. Diese Informationen werden dem Empfängern im öffentlichen Raum (in der “Republik”) zugänglich. Auf diese Weise etabliert diese spezifische Kommunikationsstruktur private Räume, in denen Informationen hergestellt werden, und öffentliche Räume, wo diese Information empfangen wird.’ p. 238

‘Früher waren die Menschen “politisch engagiert” ob sie nun wollten oder nicht. (…) [Nu moeten de mensen thuisblijven om aan informatie te komen]. Die Leute werden “politisch desengagiert”, weil der öffentliche Raum, das Forum, nutzlos wird. In diesem Sinne wird behauptet, daß das Politische tot ist und die Geschichte in die Nachgeschichte übergeht, wo nichts fortschreitet und alles bloß passiert.’ p. 239/240

Vilém Flusser, ‘Das Politische im Zeitalter der technischen Bilder’ in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,ubiscribe | April 21, 2006 | 15:38 | comments (0) |

Vilém Flusser, ‘Für eine Phenomenologie des Fernsehens’

‘Politisch zielt die Botschaft auf eine Entpolitisierung des Empfängers. Strukturell ist das politische Leben ein rhythmischen Vorstoßen aus dem privaten Raum in den öffentlichen. Die res publica setz eine res privata voraus, das forum einen domus; denn der öffentlichen Raum ist ein leerer Raum zwischen privaten Räumen und von den privaten Räumen aus zu füllen. “Politisieren” heißt publizieren. Das Fernsehen dreht dieses Verhältnis um: es ist ein Vorstoß des Öffentlichen ins Private. Es publiziert nicht das Private, sondern privatisiert das Publike.’ p. 187

‘Das hat eine doppelte Folge: Es führt einerseits zur Vereinsamung, zur Entpolitisierung des Empfängers und andererseits zur allgemeinen Invasion des Privaten, zum Totalitarismus. Auch dies ist ein Motiv aller Fernsehbotschaft.’ p. 187

‘Die drei Werkzeugen [Fenster, Türen, Wände] mussen synchronisiert werden, sollen sie sinnvoll funktionieren. Zum Beispiel so: Ausblick aus dem Fenster (Orientierung), gefolgt von Vorstoß aus der Tür (oreintiertes Engagement), gefolgt von der Rückkehr in die Wände (Einkehr). Dies ist der Rhythmus des menschlichen Lebens, und ohne Wände, Fenster, und Türen kann der Mensch nicht sinnvoll leben. Sie sind lebenswichtige Instrumente.’ p. 188/189

‘Dem dialogischen Netzsystem entspricht die Stimmung der Verantwortung (Möglichkeit zur Antwort) und der Tätigkeit (Ausarbeitung von Informationen). Dem diskursiven Rundfunksystem entspricht die Stimmung des Autorität und de Konservatismus (Speicherung einer Anerkannten Information) und des Konsums (Verschlucken und Verdauen von Informationen).’ p. 194/195

Die okzidentale Kommunikation bedient sich traditionell zweier Codetypen: dem zweidimensionalen imaginativen und dem eindimensionalen konzeptuellen. Zweidimensionalen Codes übermitteln Bilder (Gestalten) der Phänomene. Eindimensionale tasten die Phänomene ab und verwandeln sie in Prozesse.’ p. 197

Sollte der Durchbruch zu einem offenen Fernsehnetz gelingen, an dem ebensoviele partner teilnehemen würden wie am gegenwärtigen Fernsehrundfunk oder am gegenwärtigen Post- und Telefonnetz, dann würde sich die Struktur des Gesellschaft grundsätzlich geändert haben. Alen fenstern stünden dann allen offen, um mit allenzu sprechen, und zwar über eine neue Art wahrgenommene Wirklichkeit zu sprechen. Dies käme einer allgemeinen Politisierung gleich, denn die Gesellschaft wäre dann um eine kosmische agora versammelt, und jeder könnte publizieren. (…) Herscht heute Mangel an Dialog, dann würde dort mangel an Diskurs bestehen. Mit der allgemeinen Politisierung bestünde die Tendenz den privaten Raum zu entleeren.’ p. 199

Vilém Flusser, ‘Für eine Phenomenologie des Fernsehens’ in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,ubiscribe | April 21, 2006 | 15:36 | comments (0) |
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