Vilém Flusser, ‘Kriterien, Krise, Kritik’

‘Das griechische Verbum krinein entspricht dem deutschen “teilen”, “scheiden” oder “brechen”. Wir können dieses Verbum in Substantiven wie Kriterium, Krise, Kritik oder Kriminalität wiedererkennen.’ p. 91

Fotografien entstehen aus Apparaten und werden durch Apparate verteilt, deren Absicht es ist, sich slebst zu erhalten, und zu vermehren, und das Wahre, das Gute und das Schöne sind für sie Prätexte im Dienst dieser Absicht. Es sind nicht unerreichbare Ideale sondern Kriterien beim Programmieren.’ p. 98

Vilém Flusser, ‘Kriterien, Krise, Kritik’ in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,ubiscribe | April 21, 2006 | 15:30 | Comments Off on Vilém Flusser, ‘Kriterien, Krise, Kritik’ |

Vilem Flusser, Die Schrift I

‘Alles schreiben ist Rechtschreiben, und das führt unmittelbar in die gegenwärtige Krise des Schreibens. Denn es ist etwas Mechanisches am Ordnen, am Reihen, und Maschinen leisten dies besser als Menschen. Man kann das Schreiben, dieses Ordnen von Zeichen, Maschinen überlassen.’ p. 10

‘Dieser widerspruchsvolle Druck verleiht dem Schreiben jene Spannung, der die Schrift verdankt, zu einem die westliche Kultur tragenden und übertragenden Code geworden zu sein und diese Kultur so explosiv gestaltet zu haben.’ p. 11

‘Die Schrift, dieses zeilenförmige Aneinanderreihen von Zeichen, macht überhaupt erst das Geschichtsbewußtsein möglich. Erst wenn man Zeilen schreibt, kan man logisch denken, kalkulieren, kritisieren, Wissenschaft treiben, philosophieren — und entsprechend handeln.’ p. 11/12

‘(A)us den magische kreisen des prähistorischen Denkens in ein zeilenförmiges geschichtliches Denken. Tatsächlich geht es beim Schreiben um ein transcodieren des Denkens, um ein Übersetzen aus den zweidimensionalen Flächencodes der Bilder in die eindimensionalen Zeilencodes, aus den kompakten und verschwonmmenen Bildercodes in die distinkten und klaren Schriftcodes, aus Vorstellungen in Begriffe, aus Szenen in Prozesse, aus Kontexte in Texte. Das Schreiben ist eine Methode zum zerreißen und zum Durchsichtigmachen von Vorstellungen. Je weiter das Schreiben fortschreitet, desto tiefer dringt der schreibende Reißzahn in die Abgründe der Vorstellungen, die in unseren Gedächtnis lagern, um sie zu zerreißen, zu beschreiben, zu erklären, in Begriffe umzukodieren.’ p. 18

Vilém Flusser, Die Schrift, hat Schreiben Zukunft?, Edition Flusser, European Photography, 2002, (1987).

de,quotations,research,ubiscribe,writing | April 21, 2006 | 15:26 | Comments Off on Vilem Flusser, Die Schrift I |

40 / 1.35

Heerlijk lenteweer, ‘s avonds nog 14 graden, weinig wind; overal het geel van de forsythia’s en het roze van de ribes, de Japanse kers en andere bloesems. Kanne – Lanaye – Lixhe – Haccourt – Visée – Richelle – Dalhem – Bombaye – Warsage – ‘s Gravensvoeren – Moelingen – Lixhe – Lanaye – Kanne.

cycling,nl | April 20, 2006 | 13:07 | Comments Off on 40 / 1.35 |

DFW: Consider the Lobster

Hmm, wouldn’t it be much more fun to put up some quotes from Consider the Lobster? Almost finished it & it’s such fun to read DFW’s (yeah, again I use the word fun) essays. Also a very nuanced analysis of the state of the United States, in the period 1995 – 2005. The wikipedia entry is a stub, but it has an overview of the content: http://en.wikipedia.org/wiki/Consider_the_Lobster.

en,free publicity,reading matter | April 19, 2006 | 18:44 | Comments Off on DFW: Consider the Lobster |

Flusser: Vom Verrat

‘Aber es gibt weniger starke Worte, welche die gleiche Bedeutung haben, etwa “Veröffentlichung”. Denn beim Verrat geht es um das Lüften eines Geheimnisses, eines “Rätsels”.’

To divulge heißt im Englischen “ein Geheimnis verraten”. Die ganze Medienkultur is ein Verrat.’

‘”Divulgieren” bedeutet: etwas, das vorher geheim war, gemein machen. (…) Dasselbe bedeutet “publizieren”: etwas, das vorher Privat was, öffentlich machen.’

“Worum es (…) geht ist nicht so sehr, öffentlich zu verraten, daß alle Veröffentlichung ein Verrat ist. (…) Vielmehr gehr es darum aufzuzeigen, daß es wieder wie im Altertum und im Mittelalter möglich geworden ist, Informationen auszuarbeiten und sie an andere weiterzugeben, ohne sie deshalb veröffentlichen zu müssen; es ist nicht länger nötig, alphabetisch — im verratenen Geheimcode — zu schreiben, weil neue Geheimcodes zu Verfügung stehen.”

Vilém Flusser, ‘Vom Verrat’, Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995. p. 83, 84, 89.

de,quotations,research,ubiscribe,writing | April 19, 2006 | 18:21 | comments (1) |

Flusser: Das Abstraktionsspiel

‘(…) “Phänomenologie der Kulturgeschichte”: Der Willendorfer tritt aus der ihn angehenden Welt heraus, streckt ihr die Hand entgegen, hält darin Körper fest und verändert dann die derart festgehaltenen, stillstehenden, “verstandenen” Körper: Er erzeugt das zeitlose Universum der Skulpturen. Die Leute in Lascaux treten aus diesem driedimensionalen Universum heraus, schauen es sich an, erblicken die Oberflächen der “verstandenen” Körper, stellen sich vor, wie sie die erblickten Oberflächen zueinander verhalten un verändern dann die imaginierten Flächen: Sie erzeugen das tiefenlose Universum der Bilder. Die Leute in Ungarit treten aus diesem zweidimensionalen Unversums heraus, greifen mit den Fingern in die Flächen ein, um die Bildelemente zu “begreifen” reißen sie dann heraus, um sie in Reihen zu ordnen, sie zahlbar zu machen, um sie zu erzählen, besprechen und dann verändern zu können: Sie erzeugen das flächenlose Universum der Texte. Gegenwärtig treten die Leute aus diesem eindimensionalen Unversum heraus, bestasten die Linien mit den Fingerspitzen, lösen die Begriffe aus ihren reihenfolge und spielen mit ihnen, um herauszufinden, was man aus den sich anbietenden Möglichkeiten kombinieren können: Sie erzeugen das dimensionslose Universum der Quanten.’

‘Zuerst hat der Mensch in der ihn angehenden Welt gehandelt, dann hat er geschaut, um zu handeln, dann hat er gefingert und hingehört, um zu sehen und dann handeln zu können, und gegenwärtig tastet er ab, um überhaupt etwas befingern und hören zu können, um es nachher vielleicht anschauen und behandeln zu können.’

Vilém Flusser, ‘Das Abstraktionsspiel’ in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995, p. 19.

de,quotations,research,ubiscribe,writing | April 19, 2006 | 17:24 | Comments Off on Flusser: Das Abstraktionsspiel |

40 / 1.35

Alsof de wind de hele tijd in de rug blaast, zo’n ritje. 19.15 – 21.00. Kanne – Lanaye – Lixhe – Moelingen – Mesch – St. Geertuid – Bruisterbos – Margraten – St. Anthoniusbank – Bemelen – Maastricht – Kanne . Of, weer in fietsknooppunten ri. 78 – 80 – 72 – 71 – 70 – 67 – 65 – 06 – 79 (dat zegt het bordje in Maastricht…) – 02 – 12. Eigenlijk een heel goed trainingsrondje. Lekker.

cycling,nl | April 19, 2006 | 17:22 | Comments Off on 40 / 1.35 |

Agamben, The Open

‘The traditional historical potentialities — poetry, religion, philosophy — which (…) kept the historico-political destiny of peoples awake have long since been transformed into cultural spectacles and private experiences,and have lost all historical efficacy. Faced with this eclipse, the only task that still seem to retain some seriousness is the assumption of the burden — and the total management — of biological life, that is, of the very animality of man. (…) It is not easy to say whether the humanity that has taken upon itself the mandate of the total management of its own animality is still human, in the sense of that humanitas which the anthropological machine produced by deciding every time between man and animal; nor is it clear whether the well-being of a life that can no longer be recognized as either human or animal can be felt as fulfilling. (…) The total humanization of the animal coincides with a total animalization of man.’

Giorgio Agamben, The Open, Stanford UP, 2004 (2002), p. 77.

‘In our culture, the decisive political conflict, which governs every other conflict, is that between the animality and the humanity of man. That is to say, in its origin Western politics is also biopolitics.’

Giorgio Agamben, The Open, Stanford UP, 2004 (2002), p. 80.

en,quotations,reading matter | April 18, 2006 | 17:06 | Comments Off on Agamben, The Open |

Agamben, Idea of Prose

‘Here the etymology of the word studium becomes clear. It goes back to a st- or sp- root indicating a crash, the shock of impact. Studying and stupefying are in this sense akin: those who study are in the situation of people who have received a shock and are stupefied by what has struck them, unable to grasp it and at the same time powerless to leave hold. The scholar, that is, is always “stupid”.’

Giorgio Agamben, The Idea of Prose, SUNY Press, 1995 (1985), p. 64.

‘Only on the day when the original infantile openness is truly, dizzingly taken up as such, when time has come to fullness and the child Aion has wakened from and to his game, will men be able finally to construct a history and language which are universal and no longer deferrable, and stop their wandering through traditions. This authentic recalling of humanity to the infantile soma is called thought — that is, politics.’

Giorgio Agamben, The Idea of Prose, SUNY Press, 1995 (1985), p. 98.

(That’s your Agamben: out of the blue referring to some very obscure mythological character (Aion, apparently a son of Kore/Persephone). Question: does the meaning of this sentence change, when you leave Aion out of it? I’d say the (poetic) network of references becomes less dense, yes. But skipping Aion, one can still get at Agamben’s ‘point’. And his messianistic (?) idea of a coming community).

‘But if quotation marks are a summons against language, citing it before the tribunal of thought, the proceedings of this trial cannot remain indefinitely adjourned. Every completed act of thought, to be such — to be able, that is, to refer to something standing outside of language — must work itself out entirely within lanuage. A humanity able to talk only within quotation marks would be an unhappy humanity that, by dint (= the effort, AA) of thinking, had lost the capacity to carry thought through to a conclusion.

Giorgio Agamben, The Idea of Prose, SUNY Press, 1995 (1985), p. 104.

en,quotations,reading matter | April 18, 2006 | 16:25 | Comments Off on Agamben, Idea of Prose |

Agamben, the catholic

Funny, the copy of Agambens The Idea of Prose I was reading has quite a few pencil marks and notes in the margin. The chapter The Idea of Peace has a note in pencil saying ‘Kant eternal peace’ and marks the last few lines of page 81 with ‘Hegel?’ According to me this little chapter is nothing else than a short analysis of the idea of peace, through the reading of an element of contemporary catholic liturgy — giving your neighbour a hand and whishing him/her ‘peace’. He’s such a catholic, this Agamben.

Maybe this explains why I can just read Agamben. I don’t bring Kant and Hegel into play every time.

en,reading matter | April 18, 2006 | 14:58 | Comments Off on Agamben, the catholic |
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