Vilém Flusser, ‘Schreiben für Elektronisches publizieren’

‘Warum und wozu schreibt man eigentlich? Die erste Antwort lautet: Man schreibt um die in einem Gedächtnis gespeicherten Informationen nach den Schriftregeln zu prozessieren und dann die derart prozessierten Informationen in einem allgemeinen Dialog zu füttern. Man drückt etwas aus dem Gedächtnis ins Öffentliche.’ p. 102

‘Diese künstliche Stützen gewinnen an Bedeutung, je größer die Summe der Informationen wird, welche die “Kultur” ausmachen. Daraus folgt, daß immer weniger die Rede von einem “einsamen Schreiben” sein kann, von einem “genialen Autor”: Diese künstlichen Gedächnisstützen koppeln die individuelle Znetralnervensysteme und die daran hängenden Organismen zu Gedächtnisgruppen.’ p. 103

‘Es geht beim Schrieben darum, nicht nur zensurierte Informationen passiv zu empfangen, sondern diese zu neuen Informationen zu erhöhen. Das intersubjektive Netz ist negativ entropisch, und sich an ihm zu engagieren heißt der Entropie (dem Tod) widerstehen.’ p. 105

Wer schreiben will, schreibt zuerst einmal für einen Zensor: für ein mit Löchern versehenes Sieb, wobei die Löcher “Kriterien” genannt werden können. Nur was den Kriterien entspricht , wird durchgelassen.’ p. 105

Vilém Flusser, ‘Schreiben für Elektronisches publizieren’ in Schriften, Band I, Lob der Oberflächlichkeit, für eine Phänomenologie der Medien, Bollmann, Mannheim, 1995.

de,quotations,research,ubiscribe,writing | April 21, 2006 | 15:32 | Comments Off on Vilém Flusser, ‘Schreiben für Elektronisches publizieren’ |

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